Erstmal vorab: Mit Vicki-Lieks hab’ ich vereinbart, dass wir uns gegenseitig einen Gastbeitrag in die Blogs setzen. Mich hat’s mit der Netzpolitik der SPD voll getroffen und nach einigem Hin- und Herüberlegen ziehe ich mit Vicki gleich und plastiniere meine Eindrücke vom Barcamp der SPD vom letzten Wochenende. Oder ich versuch’s zumindest. Nachdem ich Vicki’s Blog fast komplett gelesen habe, wurde mir klar, dass ich ihr rhetorisch nicht annähernd das Wasser reichen kann (ja, ich halte mich mit Rumschleimen zurück), daher bitte ich etwaige Differenzen in Stil und Ausdruck vorab zu entschuldigen.

Ich bin KEIN Berliner. Ich bin das, was man im Volksmund einen Provinzler nennt, direkt aus der Süddeutschen Todeszone, dem Schwarzwald. Und als ich mich dann Samstag morgen um 04.30 Uhr nach Stuttgart zum Flughafen auf den Weg in’s dicke B machte, dann war das für mich als kommt der kleine Bub mit 10 $ Dollar in’s große New York. Den Flug zu meistern war nicht das Problem. Ich bin früher schon mit meinen Eltern in den Urlaub geflogen. Aber das war was anderes. Es erwartete mich ein Tag voller politischer Inhalte und mit meiner Angst mich zu blamieren, musste ich erstmal umgehen. Das hat im Flugzeug die Stewardess dann auch mitgekriegt. Den angebotenen Vodka habe ich dann aber aufgrund der Uhrzeit (ich trinke niemals vor sieben Uhr) dankend abgelehnt.

Das SPD Barcamp oder Essen Sozis wirklich gelben Schnee? SPD Piratenpartei Netzpolitik Fernsehen Berlin Aber ich war pünktlich. Stolz bin ich um 09.30 Uhr (als einer der ersten) ins Willy-Brandt-Haus marschiert und wollte dem Pförtner gleich meine Anmeldung um die Ohren hauen. Der hat mich dann gleich mal an die netten Damen vom Begleit- ähhhh Anmeldeservice verwiesen. Junger Vatter, der war fit! Jetzt war ich da. Dort wo das politische Leben pulsiert, direkt an der Ader der roten Partei und für einen Moment wirds einem wirklich schwindlig. Ich dachte mir fällt der rote Würfel auf den Kopf. Ich hab mich dann ne zeitlang irgendwo in der Ecke rumgedrückt und bin ein paar Mal wichtig aufs Klo gerannt. Und dann wars 10.00 Uhr und die 1. Session-Planung hat begonnen.

Die Sozis sind echt goldig, dachte ich so bei mir. Irgendwie sahen die Jungs alle wie Schauspieler aus GZSZ aus. Ich mein, ich als Pirat hab so manche Parteimitglieder denen man eine Straftat schon allein wegen ihrem Aussehen vorwerfen könnte. Gott sei Dank hab ich mich trotzdem daheim für einen lockeren Anzug entschieden und die Entscheidung keine Sekunde bereut. Von der eigentlichen Session-Planung hab ich ehrlich gesagt recht wenig mitbekommen, weil ich einen Heidenspaß damit hatte lustige Tweets zu senden und auf der Twitter-Wall wiederzuentdecken.

Im Sinne einer bei mir innerlich stark ausgeprägten Affinität zu den Piraten hab ich mich dann auch als erste Session für die von @alios entschieden. Hieß “Netzpolitik = Sozialpolitik” oder so ähnlich. Ich glaube @alios (der ja auch Pirat ist) sitzt sogar bei sich daheim im Stadtrat. Von dem kannst Du nur lernen, dachte ich so bei mir… Und behielt recht! Wir debattierten mit den anwesenden Sozis wie man den nicht-internet-affinen Leuten, die es ja tatsächlich noch geben soll, die Angst vor dem Netz nehmen könnte und wie man aus Visitors Residents macht. Gar nicht so einfach. Um meine Unwissenheit (ICH <—- Nichtnerd!) zu kaschieren hab ich dann auch gleich einem besonders vorlauten Sozi gleich mal ein Zitat eines früheren SPD-Mitglieds um die Ohren gehauen (hehehe): “Mit dem 12. Rundfunkstaatsvertrag habt ihr Eure Netzpolitik kalt gemacht, sie mit Zensursula begraben und mit dem (dort noch zu erwartenden) JmStV plastiniert.” Man kann über Jörg sagen was man will, aber das Zitat hat gesessen. Ich hab noch nie soviel nach oben rollende Augäpfel gesehen. Und damit war ich in der Runde akkreditiert!

An die zweite Session erinnere ich mich komischerweise kaum noch zurück. Die handelte von den “Grundwerten des Internet bzw. der Netzpolitik” oder so. Kann auch falsch sein. Irgendwie hab ich das verdrängt, zu mal man über sowas auf einem Barcamp einer Partei mit über 500.000 Mitgliedern nicht mehr diskutieren sollte. Aber die haben sich soviel Mühe gegeben. Manchmal haben sie mich an meine Kinder erinnert, aber ich hab dann doch drauf verzichtet, sie überschwenglich zu loben und über die Haare zu streichen.

Umso geiler war die dritte Session! “Barrierefreiheit” im Internet. Ein überzeugter Kreisverbands-Vorsitzender erwartete schweißgebadet die Session-Teilnehmer und war dann doch etwas enttäuscht, als wir nur zu dritt waren. So komisch es auch klingt, aber DIE Session fand ich echt mal produktiv. War ein saunetter Kerl und hat mich irgendwie an die Fleischfachverkäuferin aus unserem Ort erinnert. Was aber visuell weit in den Schatten gestellt war, holte er mit durchaus fundiertem Wissen und einem sozialdemokratischen Gesprächsleitfaden locker wieder auf. Wir haben uns dann am Ende der Session (hatten nur ne knappe halbe Stunde) dazu entschlossen, dass man die älteren SPD-Mitglieder wohl doch noch handschriftlich zum Stammtisch einladen sollten oder zumindest die noch nicht ganz debilen einfach zur Eröffnung eines Mail-Accounts zwingen sollte. Es war vollbracht. Möchte gerne wissen, wie sich sein Kreisverband in den letzten Tagen so entwickelt hat. Und ob er übhaupt noch lebt…

Session Nummer vier handelt von…. genau! Dem sozialdemokratischen Thema… “Arbeit”. Erst dachte ich, was hat das auf nem netzpolitischen Barcamp zu suchen. Aber ohne dieses Thema geht es bei den Sozis einfach nicht. Manchmal habe ich das gefühl, die schneiden das Thema auch noch an, wenn ihnen der Hausarzt die Nachricht der schweren Krebserkrankung überbringt. Ok, das war jetzt wirklich böse. Ich nehm’s zurück. Aber ihr wisst was ich meine, gell? Und da sass er dann, Philipp aus GZSZ. Im wahren Leben heisst er aber Böhning und hat bei Twitter über 6.000 Follower. Was für ein KALIBER, dachte ich. Gott sei Dank waren wieder ein ganzer Haufen Piraten. @laprintemps hat dann wirklich BGE gesagt! Dann ging es los. Es geht einfach nicht ohne die SPD-Ideologien. Böhning meinte tatsächlich es wäre wichtiger, dass alle Arbeit hätten, als das alle Geld hätten. So im Innern hab ich mich dann gefragt, wie lange so ein Arbeiter dannn wohl an der Tischkante nagen müsste, wenn ihm Mitte des Monats die Kohle ausgeht. Epic Fail! Da waren wir uns (fast) alle einig.

Session Nummer fünf hab ich leider nur noch bruchstückhaft mitbekommen. Ich kam zu spät, weil ich unbedingt noch zwei rauchen wollte. Irendwie wars mir dann auch ein bisschen schlecht. Ging aber schnell wieder vorbei. Über Session Nr. 5 verlieren andere sinnvollere Worte.

Tja, der Tag ging schnell vorbei. Ich bin dann noch zu Murat ins Taxi gestiegen und war nach ner viertel Stunde wieder am Flughafen Schönefeld. Berlin gefällt mir wirklich gut! Das nächste Mal lasse ich das Barcamp weg und mach die Innenstadt unsicher. Trotzdem danke ich natürlich der SPD, dem dicken Gabe und dem GZSZ-Team für die Gastfreundschaft! Ich komme das nächste Mal wieder und dann richtig!

Herzliche Grüße,

Tobias