Der Bundesparteitag der Piraten…oder die FDP 2.0 – Klar machen zum ändern
UPDATE 16.05.11 19:44: Natürlich haben wir den angegriffenen angesprochenen Personen in dem Artikel eine Möglichkeit zur Replik gegeben. Antwort von Christopher Lauer via Twitter: @palisadesberlin Wüsste jetzt nicht, was ich dazu sagen sollte. Vom neuen Bundesvorsitzenden @tirsales kommt gleich gar keine Antwort…toll für eine Netztaffine Partei…
Vorwort von Vicki Lieks: Dem geneigten Leser unseres Blogs ist Tobias Raff bekannt. Er war mit mir letzten Herbst auf dem Barcamp der SPD zur Netzpolitik und hat uns dazu den schönen Artikel Das SPD-Barcamp oder Essen Sozis wirklich gelben Schnee? geschrieben. Wir haben Ihn um eine Innensicht des BPT11 der Piratenpartei gebeten, abseits des katastrophalen Streams (Ich sag nur Instagram) und des unsäglich arrogant unsympathisch agierenden Moderators (Wahlleiter). Hier nun seine ehrliche Analyse:
Es kracht. Es kracht gewaltig! Letztes Wochenende war der erste Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland im Jahre 2011. Es soll das Jahr des neuen Vorstands werden, ein Jahr der produktiven Arbeit, ein Jahr der Entwicklung einer neuen Art der Politik. Zum Bürger hin, von den Bildern der „alten“ Parteien weg. Der letzte Vorstand kam, zumindest in der letzten Legislaturperiode, seinem Amt kaum nach, war oft schlichtweg handlungsunfähig und in sich zerstritten. Es schrie schon früh nach einem Wechsel, den das Gros der Piraten mit dem Bundesparteitag in Heidenheim herbeisehnten.
Die beiden einzigen chancenreichen Kandidaten für den Bundesvorsitz waren der amtierende Politische Geschäftsführer des Bundes, Christopher Lauer, und der Landesvorsitzende Baden-Württemberg, Sebastian Nerz. Christopher Lauer entschied sich seinen Wahlkampf auf Inhalten aufzubauen. Sich der Aussenwirkung und der schwierigen Eigenschaften seiner Person bewusst, sprach er diese dennoch an, betonte aber die Inhalte. Nerz jedoch, rhetorisch ebenso (oder sogar besser) gewandt als Lauer, wissend wie man Gruppen manipuliert, setzte, man möchte fast sagen wie immer, auf die Aussenwirkung die seine Erscheinung auf die mental Schwachen hat, ergoss sich in Worthülsen und Wahlkampf-Phrasen und… wurde gewählt!
Es ist ja schon zum Lachen, wenn eine Partei, die sich selbst die einzig liberale nennt, sich Transparenz und ehrliche Politik auf die Fahnen schreibt, dann ein konservatives CDU-Männchen zum Chef wählt. Wie gesagt, es ist zum Lachen, wenn es nicht so sautraurig wäre. Um Mißverständnissen vorzubeugen: ich BIN Demokrat und akzeptiere die Wahl, so wie sie getroffen wurde. Aber ich halte sie für durchweg falsch. Mit S. Nerz werden wir in absehbarer Zeit zur FDP 2.0. Ich habe letzte Nacht von Rick Falkvinge geträumt. Er war im Bundeskanzleramt und sah dabei zu, wie der Koalitionsvertrag mit der CDU unterschrieben wurde. Rick hatte keine Wahl und musste Manipulations-Minister werden. Er weinte.
Christopher Lauer mag durchaus seine Schwächen haben. Er soll bevorzugt Leute am Telefon anschreien. Habe ich zumindest gehört. Und wenn schon! Es ist nicht nur seit dem legendären angeblichen Telefonat bekannt, dass seine Persönlichkeit nicht zu den pflegeleichtesten gehört. Und wenn schon!
Wählen wir die Person oder die Inhalte? Das Wahlergebnis des Bundesparteitags vom Wochenende hatte mit dem klaren Ergebnis von 60% eine ebenso klare Antwort gegeben. Wir wählen die Person. „Ave Nerz“ möchte man fast sagen. Wir haben uns zumindest für das nächste Jahr die Glaubwürdigkeit mal richtig verbaut. Vielen sehen das anders. Sie sind die Worthülsen, die im Übrigen MIR seit gestern vorgeworfen werden, seit Jahren gewohnt und nicht mehr in der Lage programmatisch und inhaltlich einfach zu unterscheiden. Das gibt mir sehr zu denken.
Lieber Tobias Raff, wir danken Dir!
Eine weitere Meinung findet Ihr hier: Nothing to lose


Schon die Umfrage vor der Wahl hat den Sieg von Tirsales klar vorhergesagt. Es hat sich also niemand vor Ort von seinem Erscheinungsbild blenden lassen…